Kultur Archiv

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Black/Rosie am 30.03.2013 im alten Bahnhof Anderten

Black/Rosie - Foto: Wolfgang Nybus (30.März.2013)Als meine Redaktion mich bat, mir doch Black/Rosie anzuschauen, war ich mehr als überrascht. Ausgerechnet ich – obwohl bekannt ist, das ich kein großer Fan von AC/DC bin. Black/Rosie waren mir allerdings ein Begriff und als mir gesagt wurde, dass sie eine neue Schlagzeugerin (Phoebe Strunkeit!) haben, war ich doch schon neugierig darauf was mich erwartet, denn schließlich ist Phoebe als versierte Musikerin ja nun auch kein ganz unbeschriebenes Blatt. Den alten Bahnhof Anderten verband ich allerdings nicht so richtig mit Hard’n’Heavy-Musik.
Gleich vorweg: Allen Bedenken zum Trotz war ich den Abend wohl Glückes Kind. Angefangen damit, dass ich entgegen meiner Gewohnheiten schon sehr früh da war. Der Laden war nämlich schon vor acht Uhr rappelvoll und ausverkauft. So standen leider noch jede Menge Leute draußen vor der Tür, die nicht mehr rein kamen. Drinnen war die Stimmung schon weit vor Beginn des Auftritts unglaublich gut. Es gibt sicher viele Bands, die sich so was WÄHREND eines Konzertes wünschen würden, bei Black/Rosie ist das nur ein Warmlaufen der Fans. Und davon haben sie sich anscheinend im Laufe der Jahre ohne Ende zusammengespielt. Zu Recht. Vom ersten Ton an war niemand mehr zu halten. Dass es sich hier nicht um irgendeine „Coverband“ handelt, sondern um professionelle Musikerinnen, war nicht zu überhören. Alte Kiste, das ging mächtig nach vorne. Deshalb war es auch eine gute Idee, das Programm mit zwei kurzen Verschnaufpausen für das Publikum zu versehen, denn so wie die Leute abgingen, hätte man bei einigen mit einem Kollaps rechnen müssen. Zur Ruhe zu kommen war aber nicht drin. Nach den Pausen ging der Wahnsinn sofort gnadenlos weiter. Solche Fans bekommen wohl letztlich nur die, die es sich auch verdient haben. Die Mädels waren echt Klasse. Sie klangen schon früher wie aus einem Guss und Phoebe fügt sich nahtlos ein. Euch allen: Vielen Dank für diesen Abend. Es war eine zweistündige umwerfende Show. Auch die Techniker seien gelobt, es ist nicht ganz einfach einen solchen Raum gut zu beschallen und das ist ihnen wirklich gelungen.
Ach ja: Für alle die, die den Abend leider nicht dabei sein konnten sei es ein kleiner Trost, dass Black/Rosie wohl im Dezember noch einmal im alten Bahnhof Anderten spielen. Ich kann nur empfehlen, dann sehr pünktlich da zu sein. Es lohnt sich auf jeden Fall!

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Traue keinem Prospekt!

Schloss Herrenhausen 1910Wenn es um das Verarschen von Touristen geht, ist Hannover ganz weit vorne mit dabei. Da fiel mir neulich eine Broschüre für die Besucher unserer schönen Stadt in die Hände, in der stand: „Die große Fontäne in den Herrenhäuser Gärten wird seit 1758 von der nach ihrem Erfinder benannten Züngel-Pumpe angetrieben, die sich noch heute in ihrem Originalzustand befindet“. Völliger Unsinn! Erfunden hat das gute Stück Johann Gottfried Teuschner, ein Ingenieur der zwar aus Hannover stammt, jedoch im Ausland studiert hat. Und zwar in Magdeburg, Nürnberg und Ulm. Vom Königreich Hannover aus gesehen lagen diese Städte damals im Ausland. Auch handelt es sich nicht um eine Pumpe, sondern um zwölf. Drei davon wurden jedoch für das Ansaugen des benötigten Wassers aus der Ihme benötigt und nicht zum Betreiben der Fontäne. Auch die angegebene Jahreszahl ist Unfug. Nach einem ersten Testlauf im Herbst 1761 vergingen noch fast drei Jahre bis die Anlage ab April 1764 ihren Dienst zuverlässig aufnehmen konnte. Bereits 1771 wurden sechs der Pumpen von moderneren englischen ersetzt, 1775 dann nochmals drei. Die verbliebenen drei Exemplare der originalen „Teuschner-Pumpe“ rotteten zwar dann noch einige Zeit im Zubringerkanal der Ihme vor sich hin, doch auch sie waren nun Geschichte, denn die Große Fontäne wurde jetzt durch einen neu gebohrten, 60 Meter tiefen Brunnen mit Wasser versorgt. Eine der wohl 1771 ausgetauschten alten Herrenhäuser Pumpen fand ihren Weg ins 1780 gegründete Londoner Industriemuseum, wurde aber 1944 bei deutschen Bombenangriffen zerstört. Von welchem chinesischen Hersteller die derzeitige Anlage stammt, ist mir nicht bekannt. Anzumerken wäre aber noch, dass der Begriff „Züngel-Pumpe“ sich auf kreisförmig angeordnete Blechstreifen (Zungen!) rund um die Einlassventile bezieht, die einen Rücklauf des Wassers in der Tauchphase des Schwimmers verhindern sollen. Das war aber schon damals nichts besonderes, jede x-beliebige Pumpe wurde so gebaut. Nein, das wirklich Neue und Revolutionäre an Teuschners Erfindung war das Prinzip von Druck, Kompression und Gegendruck, die nacheinander mittels einer Schnecke auf eine gemeinsame, sich ständig drehende Schubstange wirken. Das klingt zwar alles sehr einfach, doch mit seinen Ideen war Johann Gottfried Teuschner seiner Zeit um Generationen voraus.
Er war ein Kind Hannovers, das international neue Maßstäbe setzte.
Und die Nasenbären beim Tourismusverband können ihn in ihrer schmuddeligen Broschüre nicht einmal angemessen würdigen. Es ist eine Schande.
Hoffentlich freut er sich im Ingenieurshimmel wenigstens darüber, dass seine Heimatstadt eine Sackgasse in Bemerode nach ihm benannt hat.
DU BIST NICHT VERGESSEN, JOHANN GOTTFRIED TEUSCHNER!

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SPEED ROCK FROM HELL

speedrock from hellDJ Rock’n Ralf

“Da ist er, einer von Gottes eigenen Prototypen –

ein aufgemotzter Mutant von der Sorte,

die nie zur Massenproduktion in Betracht gezogen wurde:

zu spleenig zum Leben und zu selten zum Sterben.”
speedrock from hellEin Typ, seit Jahren im Geschäft, Clubs in Berlin, Hannover und Hamburg stehen auf seiner RoadMap. In den letzten Jahren ein Garant für lange Nächte im King Calavera/ St.Pauli nimmt sich nun seinen Heimatplaneten H-Town vor und bringt sein Programm „SPEEDROCK from HELL“ in die Bar „Die große Welt“ am Weidendamm.

„SPEEDROCK from HELL“ goes „Die große Welt“( www.diegrossewelt.com)

In den Metropolen reifte dieses heiße Programm vom Protagonisten DJ Rock’n Ralf um H-Town nun in Extase zu versetzen. Mit treffsicherer Auswahl wird  alles an organisch treibender Musik gereicht was die Crowd braucht.

„Die große Welt“ wird zur anderen Welt – Hier regiert Lemmy und Mike Ness genauso wie Danko Jones und die Jungs von Airborne! The Unseen und The Casualities schmettern tanzbar mit Hatebreed und Agnostic Front ihre Hymnen in die Menge! The Bones, Social Distortion, Broilers,  The Carburators, AntiFlag, Far from Finished, Ignite, Dropkick Murphys, Rise Against,  Blood for Blood, Pennywise, The Generators, Psychopunch   … die Playlist läuft so heiß wie die Drinks an der Bar kalt sind.
„Die große Welt“, eine Perle und GeheimTipp in Hannovers ClubKultur, an rockbarer Adresse im Gewerbegebiet Weidendamm gelegen, lässt kaum Wünsche offen. Keine Störfaktoren, kein Eintritt – ein Lächeln an der Bar reicht – hier machen wir die Nacht zum Tag und feiern ein hysterisches Fest.

…….  das Ganze lebt vom mitmachen, also …… be there!

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Jesus und Mohammed – Dialog der Religionen

Oh, Kacke, das ist Buddha, hoffentlich hat der uns nicht zugehört…Es ist kaum bekannt aber es gab da mal einen Tag vor langer Zeit, an dem sich die beiden Propheten, Seher und Religionsstifter, in einer kleinen Bar im Morgenland trafen. Ganz zufällig, lange nach ihrem irdischen Ableben.
Das mag erstmal unglaublich klingen, doch für echte Gläubige ist es durchaus denkbar, denn es waren schließlich Beide die Boten Gottes – und wer weiß, was da alles möglich ist.

Jesus: Entschuldigung, ist dieser Platz noch frei?

Mohammed: Ja, setz dich nur, er ist frei.

Jesus: Genau genommen wusste ich das ja vorher, ich bin nämlich Prophet und unter anderem auch Seher.

Mohammed: Das ist mir bekannt, ich bin schließlich auch einer.

Jesus: Ach ja, ich hörte davon, es gibt ja neuerdings einen zweiten. Dann bist Du also dieser Mehmet?

Mohammed: Mein Name ist Mohammed, nicht Mehmet. Und Du bist Judas?

Jesus: Nein, nein. Nicht Judas, sondern Jesus. Ich bin der Gute. Jesus eben. Der mit der frohen Botschaft.

Mohammed: Die hab ich auch.

Jesus: Naja, mag ja sein, aber meine ist froher!

Mohammed: Das behaupten alle. Was ist denn bei Dir so fröhlich an der Botschaft?

Jesus: Es gibt nur einen Gott und wer an ihn glaubt und ein netter, hilfreicher Mensch ist kriegt zur Belohnung was Schönes geschenkt wenn er tot ist. Das ewige Leben mit allem Schnickschnack. Mit etwas Glück geht auch mal ein Gebet in Erfüllung.

Mohammed: Toll, echt toll. Das biete ich auch.

Jesus: Zur Untermauerung habe ich auch schon ein paar Wunder vollbracht! Ich habe zum Beispiel schon mal Wasser in Wein verwandelt.

Mohammed: Ganz ehrlich: Das haut mich jetzt auch nicht um. Ich trinke keinen Alkohol, und wenn Du schon Rauschmittel brauchst um Deine Anhänger zu überzeugen, dann „Allah, Allah“!

Jesus: War ja nur ein Beispiel. Aber – ich bin sogar für meinen Glauben gestorben!

Mohammed: Und jetzt sollen alle Deine Glaubensgenossen das auch machen?

Jesus: Nein, nein. Ich bin ja für die mitgestorben. Vorgestorben, sozusagen. Damit die Sünden von denen weg sind und alles für die vergeben ist. Warte jetzt hab ich‘s: Als Vorbildfunktion. Um zu zeigen, dass auch große Sünder -wenn sie bereuen- nach ihrem Ableben von dem HERRN in Güte empfangen werden.

Mohammed: Ein Herr empfängt sie mit dem Gürtel?

Jesus: Nein, mit Güte empfängt er sie, mit Güte, nicht wahr? Dafür bin ich gestorben.

Mohammed: Jeder stirbt mal. Für was auch immer. Jeder Stirbt.

Jesus: Aber nicht so wie ich. Das war kein Geschenk, glaub mir. Ich erspare Dir die Einzelheiten, geendet hat das Elend jedenfalls mit dem Kreuz.

Mohammed: Du bist an Rückenschmerzen gestorben? Erstaunlich!

Jesus: Quatsch, ich wurde an ein Holzkreuz genagelt. Dann war ich etwas tot und bin dann auferstanden. Seitdem sitze ich zur Rechten Gottes. Ich bin nicht irgendein dahergelaufener Feld-, Wald- und Wiesenprophet, ich bin immerhin -unter anderem-auch der Sohn Gottes.

Mohammed: Das mit dem Propheten glaub ich Dir mal, das mit dem Sohn Gottes glaub ich nicht.

Jesus: Dann eben nicht. Glaub doch was Du willst. Du versprichst doch sowieso mehr als Du halten kannst.

Mohammed: Wie meinst Du das?

Jesus: Na, das Ding mit den Jungfrauen, die jeder bekommt, wenn er für seinen Glauben stirbt. Ich bin für meinen Glauben gestorben und habe nichts davon mitgekriegt. Kann aber daran liegen, dass ich weit früher gestorben bin und diese Regelung damals noch nicht galt.

Mohammed: Du bist auch nicht im Kampf für Deine Religion gestorben. Dann gibt’s auch nichts.

Jesus: Das würde sich auch mit meiner Weltanschauung beißen: Ich habe immer den Frieden gepredigt. Meine Anhänger sind nette Christen, die einfach nur dem Papst zuwinken und sich freuen. Ich sag nur: Liebe Deinen Nächsten. Sag das mal Deinen Krawallbrüdern.

Mohammed: Auch meine Botschaft ist die des Friedens und der Toleranz. Dass es immer wieder Vollidioten gibt, die als Rechtfertigung ihrer Taten meinen Namen in den Dreck ziehen, finde ich unmöglich. Damit habe ich nun wirklich nichts zu tun. Über die Karikaturen von uns beiden, die ständig veröffentlicht werden, kann ich mich immer kaputtlachen. Warum sich da jemand aufregt, ist mir ein Rätsel.
Übrigens: Deine Leute sind kein Stück besser.

Jesus: Warum? Wir sind doch alle Schöngeister mit Sinn für Humor.

Mohammed: Darf ich Dich an die Inquisition erinnern? Da habt ihr Schöngeister mit feinem Humor ganze Völker der neuen Welt ausgerottet, die nicht zum rechten Glauben fanden. Im Namen des Kreuzes und für Gold. Ich glaube was das angeht, nehmen wir uns wohl beide nichts.

Jesus: Das ist lange her. Deine Anhänger spinnen immer noch kräftig rum. Anderen den eigenen Willen im Namen von Wem-Auch-Immer aufzuzwängen war wohl nie Dein Ziel, auch nicht die Unterdrückung von Frauen und Andersgläubigen. Da ist wohl einiges schief gelaufen. Du hast aber recht, meine Botschaft kam wohl auch nicht so richtig bei den Leuten an. Naja.
Lass uns jetzt über etwas anderes reden. Ich bestelle mir jetzt erstmal einen Teller Oblaten und ein Glas Wein.

Mohammed: Ja, lass uns das jetzt vergessen, ich nehme einen Döner und eine Wasserpfeife.

ETWAS SPÄTER:
Jesus: Du, schau mal an den Tisch da drüben. Der Dicke Typ, der immer so grinst.
Kennst Du den?

Mohammed: Oh, Kacke, das ist Buddha, hoffentlich hat der uns nicht zugehört…

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Hannover ist super!

Das einzig prägende Bauwerk ist, wie ich meine, das Ihme-Zentrum.Seitens meiner Redaktion wurde ich freundlich darum gebeten mal etwas Nettes über Hannover zu schreiben, sonst würde ich rausfliegen. Also tue ich es natürlich gerne und sofort. Einziges Problem: Zu Hannover fällt auch mir spontan nur Fritze Haarmann ein und den soll ich weglassen, da eine Werbung für unser schönes Städtchen gewünscht ist. Die langweiligen Herrenhäuser Gärten finde ich nicht so spannend. Da kann man nur dumpf Spazieren gehen. Stimmt nicht: Man kann da im Sommer auch prima grillen! Ob das jetzt erlaubt ist, weiß ich nicht aber an sonnigen Tagen kann man einmal quer durch den Park kommen ohne den Boden zu berühren, indem man von einer Bratwurst zur anderen hüpft. So brutal überfüllt ist es dann. Auch nicht schön. Zum Maschsee fällt mir gar nichts ein, wie auch nicht zur Eilenriede. Einige nennen sie „Naherholungsgebiete“ ich nenne sie „Verkehrshindernisse“. Ein Ansatz von Natur eben, wobei der Maschsee so natürlich nun auch nicht ist. Das einzig prägende Bauwerk ist, wie ich meine, das Ihme-Zentrum. Ein Bild davon sah ich bisher aber noch in keinem Touristen-Informationsheft. Andere Bausünden wie Roderbruch und Mühlenberg findet man dort leider auch nicht. Schade eigentlich, zeigen diese Bauten doch, dass man in den 70ern größenwahnsinnig war und zu einer Großstadt mutieren wollte. Der Versuch wurde glücklicherweise später und wie ich hoffe, endgültig zu den Akten gelegt.
Was also zeichnet Hannover aus? Vielleicht die Kiosk-Dichte. Statistisch kommen auf einen Kiosk drei Einwohner und im Schnitt sind sie alle etwa 30 Meter voneinander entfernt. Das liegt mit weitem Abstand über dem Bundesdurchschnitt. Darüber wird in den Medien aber nie berichtet. Lokale, Kneipen, Spielhöllen und Bordelle gibt es hier zwar auch, doch die findet man in Deutschland auch sonst in jeder Kleinstadt. Das muss ich also nicht erst als Eigenheit von Hannover hervorheben. Da kann ich ja gleich kommen mit: „Schaut her, Völker der Erde, Hannover hat Strom- und Wasseranschlüsse in den Häusern, sowie ein Telefonnetz!“. Nein, so etwas wird heute selbst in Sibirien erwartet. Nicht Tolles also.
Was bietet diese Stadt denn dann? Keine Ahnung. Hier ist nichts groß und nichts glitzernd. Wir haben nicht einmal einen lustigen Dialekt. Nach 22 Uhr macht sogar jeder zweite Kiosk dicht – was bei der oben genannten Anzahl allerdings kaum ins Gewicht fällt. Je länger ich so über Hannover nachdenke, desto mehr frage ich mich, warum ich überhaupt hier wohne. Warum ÜBERHAUPT JEMAND hier wohnt. Hilfe!
Ich schreibe jetzt nicht weiter, ich bin total frustriert. Jetzt nur schnell diesen Artikel bei meinen Chefredakteuren abgeben und dann noch 30 Meter weit gehen. Zum nächsten Kiosk. Prost!

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Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 13)

..an einem Berghang eine gemütliche Holzhütte für die kalten Tage..Was kaum jemand weiß: Stotter und Strawinski verbrachten mal einen ganzen, langen Winter in den Rocky Mountains um Biber zu fangen. Die Händler zahlten damals gut für die Felle. Man könnte fast sagen, sie wurden mit Gold aufgewogen.
Die beiden waren ein seltsames Paar, doch sie passten gut zusammen. Sie sprachen nie miteinander und das taten sie ausgiebig und mit ständig wachsender Freude den ganzen Winter über. Sie hatten sich nichts zu erzählen und nutzten jede sich bietende Gelegenheit um sich ausgiebig anzuschweigen. Es war eine herrliche Zeit für die Beiden. Sie ernährten sich von all den Köstlichkeiten die Mutter Natur ihnen im Überfluss schenkte: Moose, Wurzeln und Flechten. Dazu erfrischten sie sich stets mit einem Becher getauten Schnees, den Joe gerne medium-gefroren genoss. Den ersten Monat verbrachten sie damit, an einem Berghang eine gemütliche Holzhütte für die kalten Tage, die noch vor ihnen lagen, zu errichten. Der Platz war wohl nicht so gut gewählt, denn nach dem ersten Schneefall wurde ihr Blockhaus schon von einer Lawine verschüttet. Doch wie hätten sie es ahnen sollen? Die Beiden waren Männer der Prärie. Berge waren ihnen fremd. Auch das Fallenstellen war neu für sie und der Biber ist eine schlaue Kreatur. Geübte Waldläufer fangen vier bis fünf Stück am Tag, doch dazu muss man ganz genau wissen, wo man das Fanggerät aufstellt. Schön auch, wenn man weiß, dass Biber im Wasser leben. Das wussten sie leider nicht. Es ist aber nicht so, dass sie gar nichts gefangen haben. Du weißt ja wie solche Geschichten ausgehen: Am Ende siegt immer das Gute. Als die Vorräte schon stark zur Neige gingen, trat glücklicherweise Wladimirs Pferd in eine der Fallen und brach sich ein Bein. Fröhlich erlöste Strawinski das Tier mit einem Schuss von seinen Qualen und so waren sie sich nun sicher, den Winter über ausreichend Nahrung zu haben.
Dann kam der Tag, an dem die Sonne endgültig das Eis zum schmelzen brachte und es Zeit wurde, sich auf den Rückweg vorzubereiten um die Berge wieder zu verlassen. Am Tag der Abreise stand Joe schon weit vor der Dämmerung auf, sammelte die Fallen ein und belud den Packesel sorgfältig mit seinen und Strawinskis Habseligkeiten.
Dann stieg er auf sein Pferd und ritt mitsamt des Esels davon.
Als Wladimir kurze Zeit später erwachte und bemerkte, dass Stotter selbst seine Stiefel gestohlen hatte, war er natürlich nur so mittelmäßig begeistert. Er machte sich sogleich auf die Socken, um Jack noch in der nächsten Ortschaft abzufangen, kam aber zu spät. Doch er schwor sich, Joe zu finden. Ganz egal wo oder wann.
Naja, an jenem diesigen Novemberabend 1877 trafen sie sich dann ja wieder, in Little Osborne. Und da war eben noch die eine oder andere Rechnung offen.
Wo wir schon mal von einer offenen Rechnung sprechen, meinst Du ein Bier ist noch drin?
Die Geschichte geht gleich weiter, ja, sie geht gleich weiter.

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Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 12)

Stotter-Joe 12Hast Du schon mal von Stotter-Joes ältestem Bruder William gehört? Oder besser bekannt als „Zwei-Hand-Bill“? Nein? Nun, lass Dich nicht in die Irre führen, er konnte nicht mit beiden Händen gleich gut schießen, der Name sollte nur von seinem Holzbein ablenken. Der tragische Unfall ereignete sich am Bitter-Salty-See in Utah., als er seiner liebsten Beschäftigung, dem Fischen, nachging. Er war gerade im Begriff, eine gezündete Dynamitstange in den Teich zu werfen, als sie ihm aus der Hand glitt und auf den Boden fiel. Die Wucht der Explosion zertrümmerte ihm den rechten Unterschenkel. Wäre Joe nicht zufällig in der Nähe gewesen, hätte der arme Kerl wohl nicht überlebt.
Stotter trug seinen verletzten Bruder zum Pferd und ritt mit ihm zwanzig Meilen zum nächsten Doktor, als wäre der Teufel hinter ihm her. Und er hatte Glück, er kam noch kurz vor Ende der Sprechzeit an. Nachdem er die Praxisgebühr gezahlt und die Versichertenkarte vorgelegt hatte, setzten sie sich kurz um auf den Arzt zu warten. Da es sich um einen Notfall handelte, erschien dieser auch nach zwei Stunden. Es war ein ruhiger, bedächtiger Mann, den im weiten Umkreis alle respektvoll „Doc Westland“ nannten, da er fast alle Wunden die man sich in der Wildnis zuziehen kann heilen konnte. Doch trotz all seiner Künste war das Bein von Bill nicht mehr zu retten. Es war einfach zu spät. Immerhin überlebte William. Und er gewann auch eine Erkenntnis: Privat versichert hätte er nicht so lang warten müssen und das Bein wäre noch dran.
Seine wilden Tage waren von nun an vorbei aber sein Lebensmut war ungebrochen. Er ließ sich von einem Sargtischler ein Holzbein schnitzen, siedelte nach Walnut Grove/Minnesota um und wurde dort ansässig. Bald lernte er Laura-Elizabeth, die Tochter der angesehen Familie Ingalls kennen und heiratete sie. Später zogen sie ins nahe gelegene Plum Creek auf die kleine Farm ihrer Eltern. Laura war die klügste und hübscheste ledige Frau im weiten Umkreis. Allerdings war sie auch die einzige ledige Frau im weiten Umkreis. Die beiden führten ein bescheidenes, glückliches Leben. William hat sich immer gewünscht, dass auch Stotter-Joe sich zur Ruhe setzt, doch dieser Wunsch ging nie in Erfüllung.
Ich traf Bill mal vor einiger Zeit. Er machte sich Vorwürfe, dass er seinem Bruder im Oktober 1878 in Little Osborne nicht zur Seite stand. Doch er hatte Familie und das Reiten fiel ihm seit seinem Unfall schwer. Auch wusste er gar nicht was Jack vorhatte. Die Schuld lag nicht bei ihm.
Er gab mir ein paar Bier aus und ich sollte ihm erzählen, was an jenem verhängnisvollen Abend genau geschah. So wie ich Dir das jetzt erzähle. Komm, mach es doch auch so wie er und bestell uns noch Bier. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende und ich sag Dir gerne wie es weiterging…

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Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 11)

Stotter-Joe 11Im Sommer des Jahres 1848 war die Lage an der Grenze immer noch sehr gespannt. Der neue Bundesstaat hieß nun Texas, doch die Mexikaner gaben ihre Gebietsansprüche noch nicht auf. Ständig kamen ihre Truppen über den Rio Grande und überfielen Dörfer und Farmer. So suchte die amerikanische Armee dringend nach geübten Fährtenlesern, die herausfinden konnten, wo sich noch Widerstandskämpfer aufhielten. Und womit wohl keiner gerechnet hätte geschah: Stotter-Joe meldete sich beim vierten Regiment freiwillig. Nun, ich muss zugeben: Selbst bei einige Tage alten Hufabdrücken merkte er sofort, ob es sich um das Pferd eines alten, einzelnen Farmers handelt oder um die Spuren einer Hundertschaft von Mexikanern und schon beim leisen Heulen eines Kojoten konnte Jack genau vorhersagen, ob es den nächsten Tag schneien würde oder nicht. Naja, ganz große Kunst ist das wohl eher nicht. Doch es gehört viel Mut dazu alleine durch dieses unsichere Gebiet zu reiten. So legte er auch größten Wert auf eine gute Ausrüstung. Es wurden ihm vier Packesel, ein Ersatzpferd, neue Waffen und ausreichend Munition zu Verfügung gestellt. Für den Fall, dass er auf feindliche Indianer traf, gab man ihm auch wertvolle Geschenke in Form von Kaugummi, Glasperlen und Whisky mit. Der Proviant reichte für sechs Wochen. Eine bessere Ausrüstung konnte man sich nicht wünschen. Trotzdem: Es war eine gefährliche Aufgabe, denn Spurenleser waren Gefahren von allen Seiten ausgesetzt. Als einzelner Reiter musste man unauffällig bleiben und jede Deckung im Gelände ausnutzen um nicht den Mexikanern, Indianern oder einfach nur Banditen zum Opfer zu fallen. Jeder der diesen Job übernimmt ist ein Held, meinte man damals, denn von zehn Scouts kehrten höchstens drei lebend von ihrer Mission zurück. Stotter-Joe kam nicht zurück. Es vergingen etwa zwei Monate bis den Soldaten im Fort langsam dämmerte, dass sie dreist bestohlen wurden. Dass Jack damit den Helden-Status verlor, versteht sich wohl von selbst. Stotter wählte den direkten Weg nach Oklahoma, wo er alles verkaufte und es sich gut gehen ließ. Lustig ist noch die Geschichte mit den Maultieren und dem Ersatzpferd. Ein Goldsucher erwarb sie für einen überteuerten Preis von Jack. Zwei Tage später begegnete der gute Mann einem Sheriff, der ihn sofort hängen ließ als er die Brandzeichen der gestohlenen Reittiere sah. Ist schon komisch oder?
Doch das hat auch alles seine Schattenseiten. In fast jedem Bundesstaat wurde Joe gesucht. Das ist wie eine Schlinge, die sich langsam zuzieht. Deshalb war es nicht vorherzusehen, dass er sich nach Little Osborne wagen würde, in die Höhle des Löwen. Doch Sheriff Grummel muss es wohl geahnt haben, im Februar 1877, sonst wären die Beiden sich dort ja nicht begegnet und es hätte nicht dieses dramatische Ende gegeben. Wie dem auch sei.
Mein Freund, Du siehst durstig aus. Bestell uns doch noch zwei, ich warte so lang, ich habe Zeit.

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Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 10)

Dancing QueenEine prägende Erfahrung für Stotter-Joe war die Reise mit einem Flussdampfer, der „Dancing Queen“, den ganzen Mississippi herunter. So etwas vergisst man nie wieder. Hier sah man eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe aus allen Bevölkerungsschichten. Es gab feine Ladys mit schönen Sonnenschirmen, gut gekleidete Männer mit sauber gestutztem Bart und Zylinder, die üblichen Falschspieler, wie auch ärmliche Einwanderer aus aller Herren Länder, die ihr Glück im Westen versuchen wollten. Er wurde schon vorher gewarnt, dass es hier sogar Männer gäbe, die sich wie Frauen kostümieren. Auf alles war er gefasst, dachte er. Doch am zweiten Tag der Reise begegnete er einem Franzosen, der sich wie ein Indianer kleidete und behauptete, sein Name wäre „Winnetou“. Das war für Joe dann doch etwas zu viel. So war er froh, als die „Dancing Queen“ nach einigen Tagen endlich New Orleans erreichte und er all diese Verrückten hinter sich lassen konnte. Am Hafen wurde ihm geraten, sich eine Unterkunft in der Nähe des Flusses zu nehmen, in einem erst kürzlich eröffneten Hotel namens „Onkel Toms Hütte“, in der die Übernachtung sehr preiswert wäre, die jedoch einem Schwarzen gehöre. Für Stotter waren alle Menschen gleich. Egal welche Religion oder Hautfarbe, egal welcher Herkunft oder wie gebildet sie waren: Er mochte sie alle nicht. So ritt er zum besagten Hotel und deutete an, dass er eine Übernachtungsmöglichkeit suche. Onkel Tom war genau so geschwätzig wie Jack. Er nickte kurz und brachte ihn dann schweigend zu einem leer stehenden Zimmer. Joe knurrte eine Zustimmung, denn das Bett war erstaunlich sauber. Draußen gab es für Pferde einen Wellnessbereich und im Hof stand sogar eine Badewanne. Diese nutzte Jack sofort, denn es war ihm klar: Er roch zwar nicht gut – aber doch sehr weit. Und er war schon lange nicht mehr mit allen Wassern gewaschen. Danach zog er seine staubige Kleidung wieder an und schlenderte ein wenig durch die Stadt. Und hier, im Mississippi-Delta, hörte er eine Musik, die für immer sein Leben veränderte. Ein sehr alter, schwarzer Mann, weißhaarig und fast blind, saß an der Straße und spielte seine Gitarre. Mit soviel Wehmut und doch auch Freude, dass sich Joe tief in seiner Seele berührt fühlte wie nie zuvor. Er musste einfach stehen bleiben und weiter zuhören. Es war, als würden Engel klagend und tanzend durch den Alten sprechen. Selbst als der Weißhaarige schon lange seine Sachen genommen hatte und wieder gegangen war, stand Stotter noch dort. Später am Abend, in einem Saloon an der Hauptstraße, hörte er diese Musik, wenn auch wesentlich leidenschaftsloser, von einem Mann am Klavier vorgetragen. Doch so erfuhr er wenigstens, wie man diese neue Musikrichtung nannte: „Wiener Walzer“.
Lange hielt es Stotter-Joe nicht in der Stadt, er ritt nach wenigen Tagen weiter. Cowboys bleiben eben nie lange an einem Ort. Doch man kann noch so schnell reiten: Die Erinnerung kommt vorher an. Und so war es auch damals in Little Osborne, in dieser sternenklaren Januarnacht des Jahres 1878. Ja, man soll es nicht glauben, doch noch kurz bevor die Sache mit Sheriff Grummel losging, spielte der Pianist einen Walzer. Verrückt, oder?
Mein Freund, leider habe ich jetzt kein Geld dabei, könntest Du mir erstmal einen Whiskey bezahlen? Ist besser für die Stimmbänder, weißt Du? Sonst fällt das Reden so schwer und die Geschichte von Stotter-Joe würde ich Dir gerne noch zu Ende erzählen.

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Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 9)

Stotter-Joe 9Sheriff Grummel hätte Stotter-Joe einmal fast erwischt. Joe wurde damals beschuldigt, mit seiner Bande einige Kilometer Telegrafenkabel in der Nähe von Fort Transit gestohlen zu haben. Jack hatte nur einen Tag Vorsprung und Strawinski war ihm mit fünf Rangers auf den Fersen. Er verfolgte ihn fast eine Woche. Doch dann verloren sich Stotters Spuren kurz vor dem Tor zur Hölle: Der Sonora-Wüste! Tagsüber ist es so heiß dort, dass Geier nach wenigen Minuten in einer schwarzen Rauchwolke aufgehen und als Kohle auf den Boden fallen. Selbst bei Pferden, die im Schatten stehen, kann man nach kurzer Zeit das Brandzeichen nicht mehr erkennen. Nur leider gibt es keinen Schatten da. Und kein Wasser. Sogar Gewehrläufe verbiegen sich in der Hitze und aus dem Lauf tropft dann das geschmolzene Blei der Kugel heraus. Kaum jemand kann in der Wüste einen Tag überleben. Würde man es dennoch schaffen, käme es nicht besser. In der Nacht wird es dort so kalt, dass Wüsteneulen schon nach wenigen Flugminuten als Eisklotz auf den Boden fallen. Selbst bei Pferden, die im Stall stehen, kann man schon nach kurzer Zeit das Brandzeichen mit dem Handschuh vom gefrorenen Fell abreiben. Nur leider gibt es dort keinen Stall. Auch kein Feuerholz. Und die Sonora ist groß. Gewaltig groß. Es gibt wohl hunderte, wenn nicht tausende, die sie durchqueren wollten, doch geschafft haben es höchstens fünf oder sechs, aber selbst die bekamen einen fürchterlichen Sonnenbrand. Ich will die Wüste aber nicht schlecht reden. Sie hat auch ihre Vorteile. Die Grundstückspreise sind lachhaft niedrig, man hat einen unverbauten, herrlichen Blick auf Dünen, die Kriminalitätsrate in der Gegend liegt bei Null und es ist selbst tagsüber angenehm ruhig. Falls man mal richtig einen draufmachen will, kann man hier auch jederzeit sein Banjo auspacken und es spielen so laut man will, ohne gleich Ärger mit den Nachbarn zu riskieren. Naja, ich glaube, die Nachteile der Wüste überwiegen letztendlich wohl doch. Ich wollte auch keine Werbung dafür machen. Sicher ist jedenfalls: Der Sheriff wusste, dass es nur ganz wenige verwegene Cowboys wagten durch die Sonora-Wüste zu reiten um ihre Verfolger abzuschütteln. Stotter-Joe gehörte für ihn auf keinen Fall dazu. Selbst Strawinski hätte seine Männer nie durch diesen Glutofen geführt. Die Jagd war für ihn hier am Ende angelangt. Und er behielt Recht. Jack hatte sich damals verritten und sofort die Richtung gewechselt, als er die Wüste sah. Er tauchte zwar einige Monate unter um das gestohlene Telegrafenkabel von seinem Versteck aus zu verkaufen, doch genauso plötzlich wie er verschwand, war er auch wieder da. Und wie! Niemand hätte ihm zugetraut, dass er jemals so ein Ding dreht. Jack wusste wohl selbst, dass er zu weit gegangen war und ihn von nun an auch alte Freunde ausliefern würden. Er hat alles riskiert, doch im Januar 1878 im Saloon von Little Osborne musste er sich zu seiner Vergangenheit bekennen.
Nun komm, Fremder, zahl noch einen Drink für uns. Du willst doch schließlich wissen was damals wirklich geschah, oder? Ich kann es Dir sagen, wer sonst?

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