Ich mag ja langweilige Sachen. Ich stehe gerne an meiner verkehrberuhigten Lieblingskreuzung und beobachte dort stundenlang wie sich nichts ereignet. Ich finde es beruhigend nur die parkenden Autos anzuschauen. Das kann ja wohl jeder nachvollziehen.
Wie kommt es also, dass es nicht wenigen Menschen Freude bereitet, sich Formel-1-Rennen anzusehen? Ich möchte ja niemandem zu nahe treten, doch wer sich den Unsinn ausgedacht hat, dem ist doch wohl schon in der Kindheit das Gehirn ausgelaufen. Da fahren irgendwelche Nasen stundenlang im Kreis herum und kommen letztlich mit kaputten Reifen und zerfegten Motoren in Abständen von Zehntelsekunden wieder dort an, wo sie besagte Stunden vorher ohnehin schon waren. Und was um Himmels Willen hat denn das mit Sport zu tun? Ich will ja nicht ausschließen, dass es anstrengend ist aufs Gaspedal zu treten, doch zwei Stunden lang durchgehend „Night Fever“ von den Bee Gees zu hören kommt da wohl weit drüber – und das habe ich auch schon überlebt. Sport ist für mich: Selber laufen. Oder springen. Oder meinetwegen auch Synchronschwimmen. Aber eben nicht im Kreis zu fahren. Ich kann mich hier ruhig outen, da meine Artikel ja ohnehin niemand liest: Immer wenn ich ein Formel-1-Rennen sehen muss, erhoffe ich mir einen erfrischenden Unfall. So richtig mit Wumms, der Wagen fliegt in tausend Teile, überschlägt sich mehrfach und explodiert dann. Dem Fahrer sollte allerdings nichts passieren. Nein so bin ich nicht, er sollte mit dem Schrecken davonkommen. Deshalb habe ich mir Gedanken gemacht um diesen wunderschönen Nicht-Sport auch für Leute wie mich attraktiver zu machen.
Also: Um mehr Spannung in die Sache zu bringen, sollten je zehn Starter in entgegen gesetzter Richtung gleichzeitig losfahren. Dann kann man schon zur Hälfte der Strecke sehen, wer besser ausweichen kann. Und der Spaß zieht sich über alle Runden hin. Ich würde keinen Grand-Prix verpassen wollen. Es wäre auch für die Autohersteller besser: Sie würden keine Motoren für Raketen-Rasenmäher die kein Mensch braucht mehr entwickeln, sondern eine Knautschzone, die beim Aufprall besser Leben schützt. Allerdings sollte man es auch nicht zu sehr übertreiben. Wenn zwei Boliden zusammenkrachen, möchte ich schon noch Rauch, Krach und fliegende Teile. Oder wir lassen den ganzen Unsinn einfach weg, denn Sport ist das ja nun mal nicht. Aber als kleiner Trost für alle Schumi und Vetti Fans: Springreiten ist auch kein Sport. Wenn ich entscheiden müsste was Sport ist: Ein Pferd über Hindernisse hüpfen zu lassen oder in einer Großküche mal schnell einen Zentner Kartoffeln zu schälen – wie würde ich wohl entscheiden? Wäre Kartoffelschälen wirklich mal olympisch, würde ich es mir auf jeden Fall anschauen.
Was lernen wir aus all dem?
- Autorennen, Springreiten und Schach (habe ich vergessen) sind keine Sportarten.
- Noch was, das ich vergessen hab: Das man mit den oben genannten Tätigkeiten so eine Schweinekohle verdient, ist unfassbar.
- Fahrstuhlfahren, Spargelstechen und Hallentorkeln werden wohl (leider) nie olympische Disziplinen.
Aber: Synchronschwimmen ist gar nicht so schlecht wie die meisten denken. Kein nerviges Motorengeräusch, hübsch anzusehen – entspannend, eben. So wie meine Lieblingskreuzung bei meinem Lieblingskiosk…




