Die Beiden sind damals zusammen geritten, der Sheriff und Stotter-Joe. Sie waren wie Brüder. Stotter ritt gerne links, doch manchmal wechselten sie auch die Seiten. Aber nur selten, denn Stotter ritt, wie gesagt, lieber links. Bei zwei Reitern ist es nicht so einfach in der Mitte zu bleiben. Sonst hätte Stotter das getan. Denn sie waren wie Brüder.
Doch eines Tages kaufte sich Jack einen Blauschimmel und damit fing der Ärger an. Es war ein wundervoller, kräftiger Blauschimmel. Jack wollte ihn erst nicht haben und wies den Sheriff auf dessen Qualitäten hin, doch als dieser ablehnte, erwarb er ihn letztlich doch selbst.. Als Joe und Wladimir die Stadt verließen, hatte es sich Grummel mit einem mal jedoch anders überlegt und alle Freundschaft war ihm egal. Er wollte jetzt diesen Blauschimmel. Sofort. Und er hätte dafür auch getötet. Ja, da war es ihm Wert. Doch auch Stotter war nicht dumm und wusste welch wunderbaren Käse er gekauft hatte. So blieb er auch in jener regnerischen Nacht wach, um ihn zu beschützen als völlig unerwartet fast einhundert Krieger der Karaoke-Indianer ihr Lager bestürmten. Die beiden tapferen Cowboys konnten zwar ihr Leben und die Waffen retten, mussten jedoch sonst all ihr Hab und Gut zurücklassen und aus einiger Entfernung mit ansehen, wie die Wilden unter lautem Siegesgeheul den Käse zu einem leckeren Fondue einschmolzen. Seit diesem Tag hassten sie die Indianer. Ob Knick- Platt- oder Schwarzfuß, ob Irokese oder Vokuhila. Sie hassten alle Indianer. Doch auch ihre Freundschaft war zu Bruch gegangen. Von da an gingen sie eigene Wege. So weit ich weiß, hat niemals wieder einer von den Beiden ein Stück Käse angerührt. Der Sheriff gab sein Dasein als Gesetzloser auf und heiratete diese Mexikanerin, ich komme jetzt nicht auf ihren Namen. Ist ja auch schon einige Zeit her. Es hätte wohl niemand damit gerechnet, dass Strawinski mal ein Gesetzeshüter wird.. Was aus“ Stotter-Joe“ wird, war wohl jedem klar. Es wurde behauptet, er könne einem Eichhörnchen mit seiner alten „54 Swingfleet“ eine Nuss aus hundert Metern von der Nase schießen. Ich glaube das nicht, ich sah noch nie ein Eichhörnchen, welches eine Nuss auf der Nase balancierte. Auch glaube ich nicht, dass diese scheuen Tiere dann abwarten, bis „Stotter-Joe“ endlich mal abdrückt. Und ganz ehrlich: So ein Gewehr gibt es gar nicht. Na ja, sagen würde ich Jack das natürlich nicht, denn ich hänge an meinem Leben und habe ja auch nur eins davon. Jedenfalls ist es so: Es wird immer Gesetzlose wie „Stotter-Joe“ geben. Einige sind von Geburt an Gesetzlose, andere werden es durch unterschiedliche Umstände, manche sind zur falschen Zeit am falschen Ort oder aber man wird ein Outlaw, da es dem Zeitgeist entspricht und man damit die Frauen beeindrucken kann. Es ist nicht zu ändern.
Und dass Jack und Wladimir sich irgendwann irgendwo wieder treffen würden, war klar. Es war eine Frage der Zeit. Und die Zeit war an jenem denkwürdigen Abend des Spätherbstes 1873 in Little Osborne gekommen. Und ich war dabei. Für einen Drink, Fremder, erzähle ich gerne mehr. Ich kann Dir die ganze Geschichte erzählen, denn ich war dabei.













