Im Sommer des Jahres 1848 war die Lage an der Grenze immer noch sehr gespannt. Der neue Bundesstaat hieß nun Texas, doch die Mexikaner gaben ihre Gebietsansprüche noch nicht auf. Ständig kamen ihre Truppen über den Rio Grande und überfielen Dörfer und Farmer. So suchte die amerikanische Armee dringend nach geübten Fährtenlesern, die herausfinden konnten, wo sich noch Widerstandskämpfer aufhielten. Und womit wohl keiner gerechnet hätte geschah: Stotter-Joe meldete sich beim vierten Regiment freiwillig. Nun, ich muss zugeben: Selbst bei einige Tage alten Hufabdrücken merkte er sofort, ob es sich um das Pferd eines alten, einzelnen Farmers handelt oder um die Spuren einer Hundertschaft von Mexikanern und schon beim leisen Heulen eines Kojoten konnte Jack genau vorhersagen, ob es den nächsten Tag schneien würde oder nicht. Naja, ganz große Kunst ist das wohl eher nicht. Doch es gehört viel Mut dazu alleine durch dieses unsichere Gebiet zu reiten. So legte er auch größten Wert auf eine gute Ausrüstung. Es wurden ihm vier Packesel, ein Ersatzpferd, neue Waffen und ausreichend Munition zu Verfügung gestellt. Für den Fall, dass er auf feindliche Indianer traf, gab man ihm auch wertvolle Geschenke in Form von Kaugummi, Glasperlen und Whisky mit. Der Proviant reichte für sechs Wochen. Eine bessere Ausrüstung konnte man sich nicht wünschen. Trotzdem: Es war eine gefährliche Aufgabe, denn Spurenleser waren Gefahren von allen Seiten ausgesetzt. Als einzelner Reiter musste man unauffällig bleiben und jede Deckung im Gelände ausnutzen um nicht den Mexikanern, Indianern oder einfach nur Banditen zum Opfer zu fallen. Jeder der diesen Job übernimmt ist ein Held, meinte man damals, denn von zehn Scouts kehrten höchstens drei lebend von ihrer Mission zurück. Stotter-Joe kam nicht zurück. Es vergingen etwa zwei Monate bis den Soldaten im Fort langsam dämmerte, dass sie dreist bestohlen wurden. Dass Jack damit den Helden-Status verlor, versteht sich wohl von selbst. Stotter wählte den direkten Weg nach Oklahoma, wo er alles verkaufte und es sich gut gehen ließ. Lustig ist noch die Geschichte mit den Maultieren und dem Ersatzpferd. Ein Goldsucher erwarb sie für einen überteuerten Preis von Jack. Zwei Tage später begegnete der gute Mann einem Sheriff, der ihn sofort hängen ließ als er die Brandzeichen der gestohlenen Reittiere sah. Ist schon komisch oder?
Doch das hat auch alles seine Schattenseiten. In fast jedem Bundesstaat wurde Joe gesucht. Das ist wie eine Schlinge, die sich langsam zuzieht. Deshalb war es nicht vorherzusehen, dass er sich nach Little Osborne wagen würde, in die Höhle des Löwen. Doch Sheriff Grummel muss es wohl geahnt haben, im Februar 1877, sonst wären die Beiden sich dort ja nicht begegnet und es hätte nicht dieses dramatische Ende gegeben. Wie dem auch sei.
Mein Freund, Du siehst durstig aus. Bestell uns doch noch zwei, ich warte so lang, ich habe Zeit.













