Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 4)

Stage Coach Linie 11, Villariba nach VillabachoIch erinner mich noch gut an den Überfall auf die Postkutsche nach Villabacho. Das müsste so im Jahr 1865 gewesen sein. Wären die Rangers nur eine Stunde früher gekommen, hätten sie die Bande erwischt. So bot sich ihnen nur ein Bild des Grauens. Die Kutsche war aufgebockt und die Räder sowie eine riesige Pfanne, die die Bewohner von Villabacho bestellt hatten, waren gestohlen. Allen war sofort klar, dass Stotter und seine Bande dahinter steckten, denn er betrieb zu dieser Zeit einen schwunghaften Handel mit gebrauchten Fahrzeugteilen. Es ist auch recht ungewöhnlich, dass die Banditen die Kiste mit dem Gold aus den umliegenden Minen nicht mitnahmen, sondern nur auf Räder spezialisiert waren. Nein, es war gleich klar: Das war die Handschrift von Jack. Doch man konnte ihm nichts nachweisen, dafür war er zu gerissen. Als seine Farm durchsucht wurde, hatte er die Seriennummern auf den Rädern schon längst umgeschnitzt und die Pfanne nach Villariba verkauft.

Die Rangers mussten ihre Nachforschungen aufgeben. Nur einer, Flat Rate, der zweite Assistent des Hilfs-Deputies, wollte sich damit nicht zufrieden geben und beschloss, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen. So ritt er in der Dämmerung zur Farm von Joe und schlich sich bis zur Tür. Doch Stotter roch den Braten, den er gerade zubereitete, bemerkte aber auch, dass sich vor dem Haus jemand bewegt. Er war auf der Hut und hatte auch einen auf. Und er war im Vorteil, denn er hatte noch scharfen Senf vom marinieren des Fleisches an den Fingern. Damals wusste jeder Cowboy die Wirkung von Senf zu nutzten. Reibt man seine Beine damit ein, schützt es vor Flohbissen. Kocht man einen Tee daraus, muss man ihn nicht mit den anderen teilen und wenn man den Rasen damit bestreicht, kacken dort keine Katzen mehr hin. Doch Jack wusste, dass man ihn auch als Waffe einsetzen kann, die einen Gegner sofort kampfunfähig macht.

Er wartete vor dem Eingang und als Flat mit gezogenem Revolver eintrat, sprang er ihn von der Seite an und rieb ihm den Senf in die Augen. Keine zwei Minuten später war Rate schon gefesselt. Wie es sich gehört, verspottete Stotter ihn noch einige Zeit, teerte und federte ihn im Anschluss und ließ ihn laufen. Zwar behielt Joe das Pferd, den Sattel, die Waffen und die Kleidung – also alles, aber er ließ Rate laufen.

Tja, dass das ein gewaltiger Fehler war, wurde Stotter-Joe wohl erst im Frühjahr 1876 im Saloon von Little Osborne klar, als er Sheriff Grummel gegenüberstand.
Über diese Begegnung werden viele Märchen erzählt, doch ich kenne die Wahrheit, denn ich saß damals keine drei Armlängen von den beiden entfernt. Ja, ich sah alles mit eigenen Augen.
Fremder, gib mir noch einen aus und ich sage Dir, was damals wirklich passierte…

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