Oft wenn Stotter einsam über die weiten Ebenen ritt und die Landschaft mit ihren Wiesen und Felsen sah, wünschte er sich, sein Gefühl in Worten ausdrücken zu können. „Langweilig“ hätte es wohl getroffen, doch er kam einfach nicht drauf. Er war eben nicht sehr gebildet. Sein Vater meinte damals, es wäre reine Geldverschwendung Joe zur Schule zu schicken. Man kann über den alten Mann Vieles sagen aber da hatte er Recht. Jack lernte von der Natur und genau so langsam. Doch als er ungefähr zwanzig Jahre alt war, kannte er sich in der Wildnis mit ihren Gefahren aus wie ein Fuß im Mokassin. Deshalb ist es auch unbegreiflich was im Mai 1853 in der Wüste von Nevada geschah. Stotter sah die gut drei Meter lange Klapperschlange die sich dem Lager näherte schon von weitem. Er beobachtete sie, wie sie langsam bedrohlich nah kam um sich zu einem tödlichen Stoß aufzurichten. Er hätte sie schon lange vorher erschießen können doch er zögerte aus unerklärlichen Gründen bis zum Schluss. Dann drückte er ab und das Reptil fiel leblos zu Boden. Doch es war zu spät. In letzter Sekunde hatte sie knapp über dem Stiefel in den Unterschenkel gebissen und ihr Gift abgegeben. Nach kurzer Zeit traten Krämpfe und Lähmungen ein. Das Leben wich langsam aber unwiederbringlich aus dem Körper. Stotter-Joe fühlte sich erleichtert und es kehrte eine nie gekannte Ruhe in ihm ein.
Er war froh, dass es nicht ihn erwischt hatte, sondern einen chinesischen Eisenbahnarbeiter namens Su-Shi, den er zufällig traf und mit dem er bis zur nächsten Stadt reiten wollte. Jedenfalls: Da er weder das passende Werkzeug noch Lust hatte, begrub er die beiden Leichen nicht, sondern ritt mitsamt des Pferdes des Chinesen und dessen Habe weiter. Doch es dauerte nicht lange, da plagte ihn das Gewissen. Es war ein unnötiger Tod und hätte er nur anders gehandelt, wäre es nie so weit gekommen. Er bereute seine Tat zutiefst, denn Klapperschlangen sind schließlich auch Lebewesen und sie hatte ihn nicht einmal bedroht. Er hätte nicht schießen dürfen. Niedergeschlagen ritt er zurück und beerdigte die Schlange angemessen. Gerne hätte er noch ein paar erklärende Worte zu seiner Entschuldigung gesprochen, doch dazu fehlten ihm, wie immer, die Worte. So blieb ihm nichts, als ein kleines Kreuz zu schnitzen, es auf den Grabhügel zu stellen und den nicht benötigten Hut des Chinesen daran zu befestigen. Es war ein bitterer Tag für Joe, der sein Leben veränderte. Wer einmal tötet, der tut es wieder. Ja, so ist das wohl. Und irgendwann schießt sich der Kreis. So wie damals im November 1872 in Little Osborne, als Sheriff Grummel ihm gegenüberstand. Ich war damals mittendrin. Ich war so nah, dass ich den Atem der beiden spüren konnte. Und dann ging es auch schon los, schneller als ich dachte. Den Rest erzähl ich gleich, doch vorher muß ich noch was trinken. Wie steht’s? Gibst Du noch einen aus?













