Wenn es um das Verarschen von Touristen geht, ist Hannover ganz weit vorne mit dabei. Da fiel mir neulich eine Broschüre für die Besucher unserer schönen Stadt in die Hände, in der stand: „Die große Fontäne in den Herrenhäuser Gärten wird seit 1758 von der nach ihrem Erfinder benannten Züngel-Pumpe angetrieben, die sich noch heute in ihrem Originalzustand befindet“. Völliger Unsinn! Erfunden hat das gute Stück Johann Gottfried Teuschner, ein Ingenieur der zwar aus Hannover stammt, jedoch im Ausland studiert hat. Und zwar in Magdeburg, Nürnberg und Ulm. Vom Königreich Hannover aus gesehen lagen diese Städte damals im Ausland. Auch handelt es sich nicht um eine Pumpe, sondern um zwölf. Drei davon wurden jedoch für das Ansaugen des benötigten Wassers aus der Ihme benötigt und nicht zum Betreiben der Fontäne. Auch die angegebene Jahreszahl ist Unfug. Nach einem ersten Testlauf im Herbst 1761 vergingen noch fast drei Jahre bis die Anlage ab April 1764 ihren Dienst zuverlässig aufnehmen konnte. Bereits 1771 wurden sechs der Pumpen von moderneren englischen ersetzt, 1775 dann nochmals drei. Die verbliebenen drei Exemplare der originalen „Teuschner-Pumpe“ rotteten zwar dann noch einige Zeit im Zubringerkanal der Ihme vor sich hin, doch auch sie waren nun Geschichte, denn die Große Fontäne wurde jetzt durch einen neu gebohrten, 60 Meter tiefen Brunnen mit Wasser versorgt. Eine der wohl 1771 ausgetauschten alten Herrenhäuser Pumpen fand ihren Weg ins 1780 gegründete Londoner Industriemuseum, wurde aber 1944 bei deutschen Bombenangriffen zerstört. Von welchem chinesischen Hersteller die derzeitige Anlage stammt, ist mir nicht bekannt. Anzumerken wäre aber noch, dass der Begriff „Züngel-Pumpe“ sich auf kreisförmig angeordnete Blechstreifen (Zungen!) rund um die Einlassventile bezieht, die einen Rücklauf des Wassers in der Tauchphase des Schwimmers verhindern sollen. Das war aber schon damals nichts besonderes, jede x-beliebige Pumpe wurde so gebaut. Nein, das wirklich Neue und Revolutionäre an Teuschners Erfindung war das Prinzip von Druck, Kompression und Gegendruck, die nacheinander mittels einer Schnecke auf eine gemeinsame, sich ständig drehende Schubstange wirken. Das klingt zwar alles sehr einfach, doch mit seinen Ideen war Johann Gottfried Teuschner seiner Zeit um Generationen voraus.
Er war ein Kind Hannovers, das international neue Maßstäbe setzte.
Und die Nasenbären beim Tourismusverband können ihn in ihrer schmuddeligen Broschüre nicht einmal angemessen würdigen. Es ist eine Schande.
Hoffentlich freut er sich im Ingenieurshimmel wenigstens darüber, dass seine Heimatstadt eine Sackgasse in Bemerode nach ihm benannt hat.
DU BIST NICHT VERGESSEN, JOHANN GOTTFRIED TEUSCHNER!
Lindener Spezial Archiv
Jesus und Mohammed – Dialog der Religionen
Es ist kaum bekannt aber es gab da mal einen Tag vor langer Zeit, an dem sich die beiden Propheten, Seher und Religionsstifter, in einer kleinen Bar im Morgenland trafen. Ganz zufällig, lange nach ihrem irdischen Ableben.
Das mag erstmal unglaublich klingen, doch für echte Gläubige ist es durchaus denkbar, denn es waren schließlich Beide die Boten Gottes – und wer weiß, was da alles möglich ist.
Jesus: Entschuldigung, ist dieser Platz noch frei?
Mohammed: Ja, setz dich nur, er ist frei.
Jesus: Genau genommen wusste ich das ja vorher, ich bin nämlich Prophet und unter anderem auch Seher.
Mohammed: Das ist mir bekannt, ich bin schließlich auch einer.
Jesus: Ach ja, ich hörte davon, es gibt ja neuerdings einen zweiten. Dann bist Du also dieser Mehmet?
Mohammed: Mein Name ist Mohammed, nicht Mehmet. Und Du bist Judas?
Jesus: Nein, nein. Nicht Judas, sondern Jesus. Ich bin der Gute. Jesus eben. Der mit der frohen Botschaft.
Mohammed: Die hab ich auch.
Jesus: Naja, mag ja sein, aber meine ist froher!
Mohammed: Das behaupten alle. Was ist denn bei Dir so fröhlich an der Botschaft?
Jesus: Es gibt nur einen Gott und wer an ihn glaubt und ein netter, hilfreicher Mensch ist kriegt zur Belohnung was Schönes geschenkt wenn er tot ist. Das ewige Leben mit allem Schnickschnack. Mit etwas Glück geht auch mal ein Gebet in Erfüllung.
Mohammed: Toll, echt toll. Das biete ich auch.
Jesus: Zur Untermauerung habe ich auch schon ein paar Wunder vollbracht! Ich habe zum Beispiel schon mal Wasser in Wein verwandelt.
Mohammed: Ganz ehrlich: Das haut mich jetzt auch nicht um. Ich trinke keinen Alkohol, und wenn Du schon Rauschmittel brauchst um Deine Anhänger zu überzeugen, dann „Allah, Allah“!
Jesus: War ja nur ein Beispiel. Aber – ich bin sogar für meinen Glauben gestorben!
Mohammed: Und jetzt sollen alle Deine Glaubensgenossen das auch machen?
Jesus: Nein, nein. Ich bin ja für die mitgestorben. Vorgestorben, sozusagen. Damit die Sünden von denen weg sind und alles für die vergeben ist. Warte jetzt hab ich‘s: Als Vorbildfunktion. Um zu zeigen, dass auch große Sünder -wenn sie bereuen- nach ihrem Ableben von dem HERRN in Güte empfangen werden.
Mohammed: Ein Herr empfängt sie mit dem Gürtel?
Jesus: Nein, mit Güte empfängt er sie, mit Güte, nicht wahr? Dafür bin ich gestorben.
Mohammed: Jeder stirbt mal. Für was auch immer. Jeder Stirbt.
Jesus: Aber nicht so wie ich. Das war kein Geschenk, glaub mir. Ich erspare Dir die Einzelheiten, geendet hat das Elend jedenfalls mit dem Kreuz.
Mohammed: Du bist an Rückenschmerzen gestorben? Erstaunlich!
Jesus: Quatsch, ich wurde an ein Holzkreuz genagelt. Dann war ich etwas tot und bin dann auferstanden. Seitdem sitze ich zur Rechten Gottes. Ich bin nicht irgendein dahergelaufener Feld-, Wald- und Wiesenprophet, ich bin immerhin -unter anderem-auch der Sohn Gottes.
Mohammed: Das mit dem Propheten glaub ich Dir mal, das mit dem Sohn Gottes glaub ich nicht.
Jesus: Dann eben nicht. Glaub doch was Du willst. Du versprichst doch sowieso mehr als Du halten kannst.
Mohammed: Wie meinst Du das?
Jesus: Na, das Ding mit den Jungfrauen, die jeder bekommt, wenn er für seinen Glauben stirbt. Ich bin für meinen Glauben gestorben und habe nichts davon mitgekriegt. Kann aber daran liegen, dass ich weit früher gestorben bin und diese Regelung damals noch nicht galt.
Mohammed: Du bist auch nicht im Kampf für Deine Religion gestorben. Dann gibt’s auch nichts.
Jesus: Das würde sich auch mit meiner Weltanschauung beißen: Ich habe immer den Frieden gepredigt. Meine Anhänger sind nette Christen, die einfach nur dem Papst zuwinken und sich freuen. Ich sag nur: Liebe Deinen Nächsten. Sag das mal Deinen Krawallbrüdern.
Mohammed: Auch meine Botschaft ist die des Friedens und der Toleranz. Dass es immer wieder Vollidioten gibt, die als Rechtfertigung ihrer Taten meinen Namen in den Dreck ziehen, finde ich unmöglich. Damit habe ich nun wirklich nichts zu tun. Über die Karikaturen von uns beiden, die ständig veröffentlicht werden, kann ich mich immer kaputtlachen. Warum sich da jemand aufregt, ist mir ein Rätsel.
Übrigens: Deine Leute sind kein Stück besser.
Jesus: Warum? Wir sind doch alle Schöngeister mit Sinn für Humor.
Mohammed: Darf ich Dich an die Inquisition erinnern? Da habt ihr Schöngeister mit feinem Humor ganze Völker der neuen Welt ausgerottet, die nicht zum rechten Glauben fanden. Im Namen des Kreuzes und für Gold. Ich glaube was das angeht, nehmen wir uns wohl beide nichts.
Jesus: Das ist lange her. Deine Anhänger spinnen immer noch kräftig rum. Anderen den eigenen Willen im Namen von Wem-Auch-Immer aufzuzwängen war wohl nie Dein Ziel, auch nicht die Unterdrückung von Frauen und Andersgläubigen. Da ist wohl einiges schief gelaufen. Du hast aber recht, meine Botschaft kam wohl auch nicht so richtig bei den Leuten an. Naja.
Lass uns jetzt über etwas anderes reden. Ich bestelle mir jetzt erstmal einen Teller Oblaten und ein Glas Wein.
Mohammed: Ja, lass uns das jetzt vergessen, ich nehme einen Döner und eine Wasserpfeife.
ETWAS SPÄTER:
Jesus: Du, schau mal an den Tisch da drüben. Der Dicke Typ, der immer so grinst.
Kennst Du den?
Mohammed: Oh, Kacke, das ist Buddha, hoffentlich hat der uns nicht zugehört…
Hannover ist super!
Seitens meiner Redaktion wurde ich freundlich darum gebeten mal etwas Nettes über Hannover zu schreiben, sonst würde ich rausfliegen. Also tue ich es natürlich gerne und sofort. Einziges Problem: Zu Hannover fällt auch mir spontan nur Fritze Haarmann ein und den soll ich weglassen, da eine Werbung für unser schönes Städtchen gewünscht ist. Die langweiligen Herrenhäuser Gärten finde ich nicht so spannend. Da kann man nur dumpf Spazieren gehen. Stimmt nicht: Man kann da im Sommer auch prima grillen! Ob das jetzt erlaubt ist, weiß ich nicht aber an sonnigen Tagen kann man einmal quer durch den Park kommen ohne den Boden zu berühren, indem man von einer Bratwurst zur anderen hüpft. So brutal überfüllt ist es dann. Auch nicht schön. Zum Maschsee fällt mir gar nichts ein, wie auch nicht zur Eilenriede. Einige nennen sie „Naherholungsgebiete“ ich nenne sie „Verkehrshindernisse“. Ein Ansatz von Natur eben, wobei der Maschsee so natürlich nun auch nicht ist. Das einzig prägende Bauwerk ist, wie ich meine, das Ihme-Zentrum. Ein Bild davon sah ich bisher aber noch in keinem Touristen-Informationsheft. Andere Bausünden wie Roderbruch und Mühlenberg findet man dort leider auch nicht. Schade eigentlich, zeigen diese Bauten doch, dass man in den 70ern größenwahnsinnig war und zu einer Großstadt mutieren wollte. Der Versuch wurde glücklicherweise später und wie ich hoffe, endgültig zu den Akten gelegt.
Was also zeichnet Hannover aus? Vielleicht die Kiosk-Dichte. Statistisch kommen auf einen Kiosk drei Einwohner und im Schnitt sind sie alle etwa 30 Meter voneinander entfernt. Das liegt mit weitem Abstand über dem Bundesdurchschnitt. Darüber wird in den Medien aber nie berichtet. Lokale, Kneipen, Spielhöllen und Bordelle gibt es hier zwar auch, doch die findet man in Deutschland auch sonst in jeder Kleinstadt. Das muss ich also nicht erst als Eigenheit von Hannover hervorheben. Da kann ich ja gleich kommen mit: „Schaut her, Völker der Erde, Hannover hat Strom- und Wasseranschlüsse in den Häusern, sowie ein Telefonnetz!“. Nein, so etwas wird heute selbst in Sibirien erwartet. Nicht Tolles also.
Was bietet diese Stadt denn dann? Keine Ahnung. Hier ist nichts groß und nichts glitzernd. Wir haben nicht einmal einen lustigen Dialekt. Nach 22 Uhr macht sogar jeder zweite Kiosk dicht – was bei der oben genannten Anzahl allerdings kaum ins Gewicht fällt. Je länger ich so über Hannover nachdenke, desto mehr frage ich mich, warum ich überhaupt hier wohne. Warum ÜBERHAUPT JEMAND hier wohnt. Hilfe!
Ich schreibe jetzt nicht weiter, ich bin total frustriert. Jetzt nur schnell diesen Artikel bei meinen Chefredakteuren abgeben und dann noch 30 Meter weit gehen. Zum nächsten Kiosk. Prost!
Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 12)
Hast Du schon mal von Stotter-Joes ältestem Bruder William gehört? Oder besser bekannt als „Zwei-Hand-Bill“? Nein? Nun, lass Dich nicht in die Irre führen, er konnte nicht mit beiden Händen gleich gut schießen, der Name sollte nur von seinem Holzbein ablenken. Der tragische Unfall ereignete sich am Bitter-Salty-See in Utah., als er seiner liebsten Beschäftigung, dem Fischen, nachging. Er war gerade im Begriff, eine gezündete Dynamitstange in den Teich zu werfen, als sie ihm aus der Hand glitt und auf den Boden fiel. Die Wucht der Explosion zertrümmerte ihm den rechten Unterschenkel. Wäre Joe nicht zufällig in der Nähe gewesen, hätte der arme Kerl wohl nicht überlebt.
Stotter trug seinen verletzten Bruder zum Pferd und ritt mit ihm zwanzig Meilen zum nächsten Doktor, als wäre der Teufel hinter ihm her. Und er hatte Glück, er kam noch kurz vor Ende der Sprechzeit an. Nachdem er die Praxisgebühr gezahlt und die Versichertenkarte vorgelegt hatte, setzten sie sich kurz um auf den Arzt zu warten. Da es sich um einen Notfall handelte, erschien dieser auch nach zwei Stunden. Es war ein ruhiger, bedächtiger Mann, den im weiten Umkreis alle respektvoll „Doc Westland“ nannten, da er fast alle Wunden die man sich in der Wildnis zuziehen kann heilen konnte. Doch trotz all seiner Künste war das Bein von Bill nicht mehr zu retten. Es war einfach zu spät. Immerhin überlebte William. Und er gewann auch eine Erkenntnis: Privat versichert hätte er nicht so lang warten müssen und das Bein wäre noch dran.
Seine wilden Tage waren von nun an vorbei aber sein Lebensmut war ungebrochen. Er ließ sich von einem Sargtischler ein Holzbein schnitzen, siedelte nach Walnut Grove/Minnesota um und wurde dort ansässig. Bald lernte er Laura-Elizabeth, die Tochter der angesehen Familie Ingalls kennen und heiratete sie. Später zogen sie ins nahe gelegene Plum Creek auf die kleine Farm ihrer Eltern. Laura war die klügste und hübscheste ledige Frau im weiten Umkreis. Allerdings war sie auch die einzige ledige Frau im weiten Umkreis. Die beiden führten ein bescheidenes, glückliches Leben. William hat sich immer gewünscht, dass auch Stotter-Joe sich zur Ruhe setzt, doch dieser Wunsch ging nie in Erfüllung.
Ich traf Bill mal vor einiger Zeit. Er machte sich Vorwürfe, dass er seinem Bruder im Oktober 1878 in Little Osborne nicht zur Seite stand. Doch er hatte Familie und das Reiten fiel ihm seit seinem Unfall schwer. Auch wusste er gar nicht was Jack vorhatte. Die Schuld lag nicht bei ihm.
Er gab mir ein paar Bier aus und ich sollte ihm erzählen, was an jenem verhängnisvollen Abend genau geschah. So wie ich Dir das jetzt erzähle. Komm, mach es doch auch so wie er und bestell uns noch Bier. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende und ich sag Dir gerne wie es weiterging…
Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 11)
Im Sommer des Jahres 1848 war die Lage an der Grenze immer noch sehr gespannt. Der neue Bundesstaat hieß nun Texas, doch die Mexikaner gaben ihre Gebietsansprüche noch nicht auf. Ständig kamen ihre Truppen über den Rio Grande und überfielen Dörfer und Farmer. So suchte die amerikanische Armee dringend nach geübten Fährtenlesern, die herausfinden konnten, wo sich noch Widerstandskämpfer aufhielten. Und womit wohl keiner gerechnet hätte geschah: Stotter-Joe meldete sich beim vierten Regiment freiwillig. Nun, ich muss zugeben: Selbst bei einige Tage alten Hufabdrücken merkte er sofort, ob es sich um das Pferd eines alten, einzelnen Farmers handelt oder um die Spuren einer Hundertschaft von Mexikanern und schon beim leisen Heulen eines Kojoten konnte Jack genau vorhersagen, ob es den nächsten Tag schneien würde oder nicht. Naja, ganz große Kunst ist das wohl eher nicht. Doch es gehört viel Mut dazu alleine durch dieses unsichere Gebiet zu reiten. So legte er auch größten Wert auf eine gute Ausrüstung. Es wurden ihm vier Packesel, ein Ersatzpferd, neue Waffen und ausreichend Munition zu Verfügung gestellt. Für den Fall, dass er auf feindliche Indianer traf, gab man ihm auch wertvolle Geschenke in Form von Kaugummi, Glasperlen und Whisky mit. Der Proviant reichte für sechs Wochen. Eine bessere Ausrüstung konnte man sich nicht wünschen. Trotzdem: Es war eine gefährliche Aufgabe, denn Spurenleser waren Gefahren von allen Seiten ausgesetzt. Als einzelner Reiter musste man unauffällig bleiben und jede Deckung im Gelände ausnutzen um nicht den Mexikanern, Indianern oder einfach nur Banditen zum Opfer zu fallen. Jeder der diesen Job übernimmt ist ein Held, meinte man damals, denn von zehn Scouts kehrten höchstens drei lebend von ihrer Mission zurück. Stotter-Joe kam nicht zurück. Es vergingen etwa zwei Monate bis den Soldaten im Fort langsam dämmerte, dass sie dreist bestohlen wurden. Dass Jack damit den Helden-Status verlor, versteht sich wohl von selbst. Stotter wählte den direkten Weg nach Oklahoma, wo er alles verkaufte und es sich gut gehen ließ. Lustig ist noch die Geschichte mit den Maultieren und dem Ersatzpferd. Ein Goldsucher erwarb sie für einen überteuerten Preis von Jack. Zwei Tage später begegnete der gute Mann einem Sheriff, der ihn sofort hängen ließ als er die Brandzeichen der gestohlenen Reittiere sah. Ist schon komisch oder?
Doch das hat auch alles seine Schattenseiten. In fast jedem Bundesstaat wurde Joe gesucht. Das ist wie eine Schlinge, die sich langsam zuzieht. Deshalb war es nicht vorherzusehen, dass er sich nach Little Osborne wagen würde, in die Höhle des Löwen. Doch Sheriff Grummel muss es wohl geahnt haben, im Februar 1877, sonst wären die Beiden sich dort ja nicht begegnet und es hätte nicht dieses dramatische Ende gegeben. Wie dem auch sei.
Mein Freund, Du siehst durstig aus. Bestell uns doch noch zwei, ich warte so lang, ich habe Zeit.
Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 10)
Eine prägende Erfahrung für Stotter-Joe war die Reise mit einem Flussdampfer, der „Dancing Queen“, den ganzen Mississippi herunter. So etwas vergisst man nie wieder. Hier sah man eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe aus allen Bevölkerungsschichten. Es gab feine Ladys mit schönen Sonnenschirmen, gut gekleidete Männer mit sauber gestutztem Bart und Zylinder, die üblichen Falschspieler, wie auch ärmliche Einwanderer aus aller Herren Länder, die ihr Glück im Westen versuchen wollten. Er wurde schon vorher gewarnt, dass es hier sogar Männer gäbe, die sich wie Frauen kostümieren. Auf alles war er gefasst, dachte er. Doch am zweiten Tag der Reise begegnete er einem Franzosen, der sich wie ein Indianer kleidete und behauptete, sein Name wäre „Winnetou“. Das war für Joe dann doch etwas zu viel. So war er froh, als die „Dancing Queen“ nach einigen Tagen endlich New Orleans erreichte und er all diese Verrückten hinter sich lassen konnte. Am Hafen wurde ihm geraten, sich eine Unterkunft in der Nähe des Flusses zu nehmen, in einem erst kürzlich eröffneten Hotel namens „Onkel Toms Hütte“, in der die Übernachtung sehr preiswert wäre, die jedoch einem Schwarzen gehöre. Für Stotter waren alle Menschen gleich. Egal welche Religion oder Hautfarbe, egal welcher Herkunft oder wie gebildet sie waren: Er mochte sie alle nicht. So ritt er zum besagten Hotel und deutete an, dass er eine Übernachtungsmöglichkeit suche. Onkel Tom war genau so geschwätzig wie Jack. Er nickte kurz und brachte ihn dann schweigend zu einem leer stehenden Zimmer. Joe knurrte eine Zustimmung, denn das Bett war erstaunlich sauber. Draußen gab es für Pferde einen Wellnessbereich und im Hof stand sogar eine Badewanne. Diese nutzte Jack sofort, denn es war ihm klar: Er roch zwar nicht gut – aber doch sehr weit. Und er war schon lange nicht mehr mit allen Wassern gewaschen. Danach zog er seine staubige Kleidung wieder an und schlenderte ein wenig durch die Stadt. Und hier, im Mississippi-Delta, hörte er eine Musik, die für immer sein Leben veränderte. Ein sehr alter, schwarzer Mann, weißhaarig und fast blind, saß an der Straße und spielte seine Gitarre. Mit soviel Wehmut und doch auch Freude, dass sich Joe tief in seiner Seele berührt fühlte wie nie zuvor. Er musste einfach stehen bleiben und weiter zuhören. Es war, als würden Engel klagend und tanzend durch den Alten sprechen. Selbst als der Weißhaarige schon lange seine Sachen genommen hatte und wieder gegangen war, stand Stotter noch dort. Später am Abend, in einem Saloon an der Hauptstraße, hörte er diese Musik, wenn auch wesentlich leidenschaftsloser, von einem Mann am Klavier vorgetragen. Doch so erfuhr er wenigstens, wie man diese neue Musikrichtung nannte: „Wiener Walzer“.
Lange hielt es Stotter-Joe nicht in der Stadt, er ritt nach wenigen Tagen weiter. Cowboys bleiben eben nie lange an einem Ort. Doch man kann noch so schnell reiten: Die Erinnerung kommt vorher an. Und so war es auch damals in Little Osborne, in dieser sternenklaren Januarnacht des Jahres 1878. Ja, man soll es nicht glauben, doch noch kurz bevor die Sache mit Sheriff Grummel losging, spielte der Pianist einen Walzer. Verrückt, oder?
Mein Freund, leider habe ich jetzt kein Geld dabei, könntest Du mir erstmal einen Whiskey bezahlen? Ist besser für die Stimmbänder, weißt Du? Sonst fällt das Reden so schwer und die Geschichte von Stotter-Joe würde ich Dir gerne noch zu Ende erzählen.
Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 9)
Sheriff Grummel hätte Stotter-Joe einmal fast erwischt. Joe wurde damals beschuldigt, mit seiner Bande einige Kilometer Telegrafenkabel in der Nähe von Fort Transit gestohlen zu haben. Jack hatte nur einen Tag Vorsprung und Strawinski war ihm mit fünf Rangers auf den Fersen. Er verfolgte ihn fast eine Woche. Doch dann verloren sich Stotters Spuren kurz vor dem Tor zur Hölle: Der Sonora-Wüste! Tagsüber ist es so heiß dort, dass Geier nach wenigen Minuten in einer schwarzen Rauchwolke aufgehen und als Kohle auf den Boden fallen. Selbst bei Pferden, die im Schatten stehen, kann man nach kurzer Zeit das Brandzeichen nicht mehr erkennen. Nur leider gibt es keinen Schatten da. Und kein Wasser. Sogar Gewehrläufe verbiegen sich in der Hitze und aus dem Lauf tropft dann das geschmolzene Blei der Kugel heraus. Kaum jemand kann in der Wüste einen Tag überleben. Würde man es dennoch schaffen, käme es nicht besser. In der Nacht wird es dort so kalt, dass Wüsteneulen schon nach wenigen Flugminuten als Eisklotz auf den Boden fallen. Selbst bei Pferden, die im Stall stehen, kann man schon nach kurzer Zeit das Brandzeichen mit dem Handschuh vom gefrorenen Fell abreiben. Nur leider gibt es dort keinen Stall. Auch kein Feuerholz. Und die Sonora ist groß. Gewaltig groß. Es gibt wohl hunderte, wenn nicht tausende, die sie durchqueren wollten, doch geschafft haben es höchstens fünf oder sechs, aber selbst die bekamen einen fürchterlichen Sonnenbrand. Ich will die Wüste aber nicht schlecht reden. Sie hat auch ihre Vorteile. Die Grundstückspreise sind lachhaft niedrig, man hat einen unverbauten, herrlichen Blick auf Dünen, die Kriminalitätsrate in der Gegend liegt bei Null und es ist selbst tagsüber angenehm ruhig. Falls man mal richtig einen draufmachen will, kann man hier auch jederzeit sein Banjo auspacken und es spielen so laut man will, ohne gleich Ärger mit den Nachbarn zu riskieren. Naja, ich glaube, die Nachteile der Wüste überwiegen letztendlich wohl doch. Ich wollte auch keine Werbung dafür machen. Sicher ist jedenfalls: Der Sheriff wusste, dass es nur ganz wenige verwegene Cowboys wagten durch die Sonora-Wüste zu reiten um ihre Verfolger abzuschütteln. Stotter-Joe gehörte für ihn auf keinen Fall dazu. Selbst Strawinski hätte seine Männer nie durch diesen Glutofen geführt. Die Jagd war für ihn hier am Ende angelangt. Und er behielt Recht. Jack hatte sich damals verritten und sofort die Richtung gewechselt, als er die Wüste sah. Er tauchte zwar einige Monate unter um das gestohlene Telegrafenkabel von seinem Versteck aus zu verkaufen, doch genauso plötzlich wie er verschwand, war er auch wieder da. Und wie! Niemand hätte ihm zugetraut, dass er jemals so ein Ding dreht. Jack wusste wohl selbst, dass er zu weit gegangen war und ihn von nun an auch alte Freunde ausliefern würden. Er hat alles riskiert, doch im Januar 1878 im Saloon von Little Osborne musste er sich zu seiner Vergangenheit bekennen.
Nun komm, Fremder, zahl noch einen Drink für uns. Du willst doch schließlich wissen was damals wirklich geschah, oder? Ich kann es Dir sagen, wer sonst?
Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 8)
1866 arbeitete Stotter-Joe eine Saison lang für einen Engländer, ich meine, er hieß Lord Valdemort. Er sollte eine Herde von „Little Furys“ nach Dumbledore ins Schlachthaus treiben. Die Arbeit mit den widerspenstigen Tieren war hart, doch der Lohn war gut. Zuerst kaufte sich Jack einen neuen Hut. Es war ein reich besticktes, wunderschönes Stück. Auf der einen Seite war die ägyptische Weizenernte zu sehen, auf der anderen die zwölf Apostel. Es war ein imposanter Hut und Stotter war zu Recht stolz darauf. Auch kaufte er sich einen neuen Sattel. Diesmal einen mit Lederbezug. Einen echten Sattel eben. Es mag seinem Hintern zu dieser Zeit wohl schon ziemlich egal gewesen sein, doch er plante für die Zukunft und wünschte sich etwas mehr Reisekomfort. Stotter war schon am Rande der Stadt, als er einen Händler sah. Dieser meinte, sein Natur-Amerikanischer-Tabak seih ein hochwertiger Tabak ohne Zusatzstoffe aus ganzen Blättern ohne Rippen. Es gäbe ihn eigentlich nur in Santa Fe, er wäre schwer zu bekommen und auch sehr teuer – Aber er wäre jeden Cent wert.
Nun, Stotter-Joe hatte Geld und Zeit. Also wartete er, bis der Händler kurz austreten musste, griff sich einen Sack Tabak und verließ die Stadt. Böse Zungen sagen, Jack hätte ständig gestohlen. Ich sage nur: Nein, dazu hatte er keine Gelegenheit. Er ritt meist durch unbewohnte Gebiete und nahm dort auch eigentlich nichts mit. Diese alte Geschichte mit dem gestohlenen Tabak? Das ist lange her. Er rauchte gerne. Er war nicht dumm und wusste genau: Teer in der Lunge tötet lang nicht so schnell wie Blei im Kopf. Und einem langsamen Gegner kann man ausweichen. Warum also sollte er nicht rauchen? Naja, wie dem auch sei. Jedenfalls, als Joe zum Camp zurück ritt, sah er aus der Ferne etwas Merkwürdiges. Ein offenbar geistig verwirrter Mann hampelte vor einem offenbar geistig verwirrten Wolf herum. Jack schoss ein paar Mal in die Luft um den Wolf zu vertreiben und ritt dann auf den armen Kerl zu. Dieser stellte sich als ein Captain Costner vor und gab an, sich ganz prächtig mit dem Tier zu verstehen, Tanzstunden bei ihm zu nehmen und auch ansonsten mit den ansässigen Indianern ganz gut zu Recht zu kommen Er lud Jack daraufhin in sein Blockhaus ein. Dieser knurrte eine Begrüßungsformel und folgte Costner. Doch diesem windigen Wicht traute Joe nicht. Der Kerl hätte sich keine zwei Tage lang im Sattel gehalten und er roch nach Duftwasser. Auch redete er ununterbrochen. Nein, das war kein Cowboy. Eher ein schlechter Schauspieler, den sie aus der Stadt vertrieben hatten. Das war ihm schon klar, bevor er statt einem Kaffee einen Latte-Macchiato vorgesetzt bekam. Glücklicherweise rannte der Gastgeber spontan aus dem Haus, als er seinen behaarten Tanzpartner durch das Fenster wieder erblickte. Stotter nahm noch das Duftwasser mit und bestieg dann auch sein Pferd um davon zu reiten. Er hoffte, mit dem Geruch lästiges Ungeziefer und wilde Tiere fernzuhalten. So richtig funktioniert hat es wohl nicht. Stotter musste den Rest trinken, meinte aber, als Getränk hätte es eine erfrischende Note. Die könnte ich jetzt auch gut vertragen.
Bestell doch noch einen für mich, dann kannst Du den Rest der Geschichte von Stotter-Joe erfahren. Das große Finale in Little Osborne. Damals, 1879. Kann ich Dir alles erzählen…
Die wahre Geschichte von Stotter Joe (Teil 7)
Ich denke nicht, dass Stotter-Joe ein gläubiger Mensch war. Ich sah ihn nur einmal in einer Kirche. Das muss am Weihnachtsabend des Jahres 1865 in Lasagne/New Mexico gewesen sein. Der Gottesdienst war schon vorbei und Jack stand mit einer sehr großen, schönen Kerze in den Händen vor dem Altar. Ich werde nie vergessen wie er mit seligem Blick an mir vorbeiging, die Kirche verließ und die Kerze auf seinem Packpferd befestigte. Er kehrte noch einmal zurück und füllte seine Feldflasche mit Weihwasser. Dann ritt er davon. Nein, mit Religion konnte er nichts anfangen, doch mit Rindern kannte er sich aus. Allein am Gang eines Tieres konnte er erkennen ob es Blähungen hatte. Er liebte fast alle: Den prächtigen Hereford-Stier, das imposante Texas-Longhorn und die deutschen Bunt-Gescheckten. Nur der Red Bull war ihm zuwider. Er fand, das Fleisch hätte einen recht unnatürlichen Geschmack und eine eher marmeladige Konsistenz. Wie Käufer bereit waren den absurd hohen Preis dafür zu zahlen war ihm ein Rätsel. Doch auch das nahm er gelassen. Er dachte, es würde ewig Rinderherden geben und Cowboys wie er würden ewig gebraucht um sie zu den Verladebahnhöfen zu treiben. Als er zwei Jahre später das erste Mal eingezäunte Wasserlöcher sah wurde ihm aber bewusst, dass sich die Zeiten ändern. Jetzt gab es neue Siedler, die Land kauften um eine Farm aufzubauen. Natürlich nahmen sie nur Parzellen mit Zugang zum Wasser und damit ihr Gemüse nicht von den frei grasenden Kühen gefressen wurde, zäunten sie ihre Grundstücke ein. Doch die Herden kamen nun nicht mehr zum lebensnotwendigen Nass. Joe machte sich Sorgen. Wenn es so weiterging, wären bald hunderte von Viehdieben arbeitslos. Was sollte nur aus ihnen werden? Sollten sie künftig Sellerie aus Gärten stehlen? Und wie wäre die rechtliche Lage? Darf man auch einen Salatdieb aufhängen oder wäre das schöne Spektakel der Lynchjustiz nun vorbei? Er sah schwarze Schatten am Horizont, beruhigte sich aber damit, dass Schatten immer schwarz sind. Zu dieser Zeit reifte in ihm der Plan ein Gesetzloser zu werden und Geld auch ohne eigenes Konto bei Banken abzuheben. Was blieb ihm auch übrig? Er konnte nur reiten, war gefährlich mit dem Messer und war bekannt dafür, dass er seinen Revolver schneller nachladen konnte als jeder Andere. Es gab natürlich Neider die behaupteten, er müsste nicht so schnell nachladen wenn er auch mal treffen würde. Natürlich sagte Joe das niemand selbst, denn er war leicht zu reizen. Man erkannte es an einem gefährlichen Glänzen in seinen Augen. Nein, dann war mit ihm nicht mehr zu Spaßen. So wie an diesem milden Herbstabend des Jahren 1877 in Little Osborne als er Sheriff Grummel gegenüberstand, nicht einmal 3 Meter von mir entfernt. Vor Aufregung hörte mein Herz gar nicht auf zu schlagen, das sage ich Dir, Fremder. Wenn Du noch etwas Kleingeld hast und mir einen spendierst, sag ich Dir wie die Geschichte von Stotter-Joe ausging. Ja, das kann ich machen, denn ich war dabei.
Die wahre Geschichte von Stotter-Joe (Teil 6)
Oft wenn Stotter einsam über die weiten Ebenen ritt und die Landschaft mit ihren Wiesen und Felsen sah, wünschte er sich, sein Gefühl in Worten ausdrücken zu können. „Langweilig“ hätte es wohl getroffen, doch er kam einfach nicht drauf. Er war eben nicht sehr gebildet. Sein Vater meinte damals, es wäre reine Geldverschwendung Joe zur Schule zu schicken. Man kann über den alten Mann Vieles sagen aber da hatte er Recht. Jack lernte von der Natur und genau so langsam. Doch als er ungefähr zwanzig Jahre alt war, kannte er sich in der Wildnis mit ihren Gefahren aus wie ein Fuß im Mokassin. Deshalb ist es auch unbegreiflich was im Mai 1853 in der Wüste von Nevada geschah. Stotter sah die gut drei Meter lange Klapperschlange die sich dem Lager näherte schon von weitem. Er beobachtete sie, wie sie langsam bedrohlich nah kam um sich zu einem tödlichen Stoß aufzurichten. Er hätte sie schon lange vorher erschießen können doch er zögerte aus unerklärlichen Gründen bis zum Schluss. Dann drückte er ab und das Reptil fiel leblos zu Boden. Doch es war zu spät. In letzter Sekunde hatte sie knapp über dem Stiefel in den Unterschenkel gebissen und ihr Gift abgegeben. Nach kurzer Zeit traten Krämpfe und Lähmungen ein. Das Leben wich langsam aber unwiederbringlich aus dem Körper. Stotter-Joe fühlte sich erleichtert und es kehrte eine nie gekannte Ruhe in ihm ein.
Er war froh, dass es nicht ihn erwischt hatte, sondern einen chinesischen Eisenbahnarbeiter namens Su-Shi, den er zufällig traf und mit dem er bis zur nächsten Stadt reiten wollte. Jedenfalls: Da er weder das passende Werkzeug noch Lust hatte, begrub er die beiden Leichen nicht, sondern ritt mitsamt des Pferdes des Chinesen und dessen Habe weiter. Doch es dauerte nicht lange, da plagte ihn das Gewissen. Es war ein unnötiger Tod und hätte er nur anders gehandelt, wäre es nie so weit gekommen. Er bereute seine Tat zutiefst, denn Klapperschlangen sind schließlich auch Lebewesen und sie hatte ihn nicht einmal bedroht. Er hätte nicht schießen dürfen. Niedergeschlagen ritt er zurück und beerdigte die Schlange angemessen. Gerne hätte er noch ein paar erklärende Worte zu seiner Entschuldigung gesprochen, doch dazu fehlten ihm, wie immer, die Worte. So blieb ihm nichts, als ein kleines Kreuz zu schnitzen, es auf den Grabhügel zu stellen und den nicht benötigten Hut des Chinesen daran zu befestigen. Es war ein bitterer Tag für Joe, der sein Leben veränderte. Wer einmal tötet, der tut es wieder. Ja, so ist das wohl. Und irgendwann schießt sich der Kreis. So wie damals im November 1872 in Little Osborne, als Sheriff Grummel ihm gegenüberstand. Ich war damals mittendrin. Ich war so nah, dass ich den Atem der beiden spüren konnte. Und dann ging es auch schon los, schneller als ich dachte. Den Rest erzähl ich gleich, doch vorher muß ich noch was trinken. Wie steht’s? Gibst Du noch einen aus?



