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Die wahre Geschichte von Stotter Joe (Teil 7)

Stotter JoeIch denke nicht, dass Stotter-Joe ein gläubiger Mensch war. Ich sah ihn nur einmal in einer Kirche. Das muss am Weihnachtsabend des Jahres 1865 in Lasagne/New Mexico gewesen sein. Der Gottesdienst war schon vorbei und Jack stand mit einer sehr großen, schönen Kerze in den Händen vor dem Altar. Ich werde nie vergessen wie er mit seligem Blick an mir vorbeiging, die Kirche verließ und die Kerze auf seinem Packpferd befestigte. Er kehrte noch einmal zurück und füllte seine Feldflasche mit Weihwasser. Dann ritt er davon. Nein, mit Religion konnte er nichts anfangen, doch mit Rindern kannte er sich aus. Allein am Gang eines Tieres konnte er erkennen ob es Blähungen hatte. Er liebte fast alle: Den prächtigen Hereford-Stier, das imposante Texas-Longhorn und die deutschen Bunt-Gescheckten. Nur der Red Bull war ihm zuwider. Er fand, das Fleisch hätte einen recht unnatürlichen Geschmack und eine eher marmeladige Konsistenz. Wie Käufer bereit waren den absurd hohen Preis dafür zu zahlen war ihm ein Rätsel. Doch auch das nahm er gelassen. Er dachte, es würde ewig Rinderherden geben und Cowboys wie er würden ewig gebraucht um sie zu den Verladebahnhöfen zu treiben. Als er zwei Jahre später das erste Mal eingezäunte Wasserlöcher sah wurde ihm aber bewusst, dass sich die Zeiten ändern. Jetzt gab es neue Siedler, die Land kauften um eine Farm aufzubauen. Natürlich nahmen sie nur Parzellen mit Zugang zum Wasser und damit ihr Gemüse nicht von den frei grasenden Kühen gefressen wurde, zäunten sie ihre Grundstücke ein. Doch die Herden kamen nun nicht mehr zum lebensnotwendigen Nass. Joe machte sich Sorgen. Wenn es so weiterging, wären bald hunderte von Viehdieben arbeitslos. Was sollte nur aus ihnen werden? Sollten sie künftig Sellerie aus Gärten stehlen? Und wie wäre die rechtliche Lage? Darf man auch einen Salatdieb aufhängen oder wäre das schöne Spektakel der Lynchjustiz nun vorbei? Er sah schwarze Schatten am Horizont, beruhigte sich aber damit, dass Schatten immer schwarz sind. Zu dieser Zeit reifte in ihm der Plan ein Gesetzloser zu werden und Geld auch ohne eigenes Konto bei Banken abzuheben. Was blieb ihm auch übrig? Er konnte nur reiten, war gefährlich mit dem Messer und war bekannt dafür, dass er seinen Revolver schneller nachladen konnte als jeder Andere. Es gab natürlich Neider die behaupteten, er müsste nicht so schnell nachladen wenn er auch mal treffen würde. Natürlich sagte Joe das niemand selbst, denn er war leicht zu reizen. Man erkannte es an einem gefährlichen Glänzen in seinen Augen. Nein, dann war mit ihm nicht mehr zu Spaßen. So wie an diesem milden Herbstabend des Jahren 1877 in Little Osborne als er Sheriff Grummel gegenüberstand, nicht einmal 3 Meter von mir entfernt. Vor Aufregung hörte mein Herz gar nicht auf zu schlagen, das sage ich Dir, Fremder. Wenn Du noch etwas Kleingeld hast und mir einen spendierst, sag ich Dir wie die Geschichte von Stotter-Joe ausging. Ja, das kann ich machen, denn ich war dabei.